Im Dresden des Jahres 1825 ist der junge Richard Wagner nur ein kleiner, noch unbedarfter Junge, der zusammen mit seiner Mutter Johanna und seinen älteren Schwestern Rosalie und Klara wohnt. Sein Stiefvater Ludwig ist Schauspieler und die meiste Zeit des Jahres unterwegs. So muss sich Richard wohl oder übel mit dem lästigen Frauenhaushalt arrangieren, was meist mehr schlecht als recht funktioniert. Von Ludwig und Rosalie, die ebenfalls Schauspielerin ist und die die zu dieser Zeit neuentdeckten Shakespeare-Stücke als neue Leidenschaft entdeckt hat, hat Richard die Liebe zum Theater und der Kunst allgemein mitbekommen. Nur weiß er noch nicht so genau, worin sein Talent liegt und wie er es herausfinden soll. Da sich die Familie ständig in Geldnöten befindet, ist die Stimmung die meiste Zeit angespannt bis schlecht. Ein ungeduldiger Vermieter macht ihnen das Leben schwer, und Rosalies Theaterdirektor versucht aus ihrer Prominenz das größtmögliche Kapital für sich heraus zu schlagen, ohne auf ihre Wünsche einzugehen. Ihre finanzielle Lage zwingt die Familie eines Tages dazu, nach Prag zu ziehen, wo Rosalie ein lukratives Angebot des dortigen Theaters annimmt. Bis das Geld fließt sind sie allerdings gezwungen, in einer düsteren, kalten und viel zu kleinen Wohnung zu hausen, in der Kinder nicht erlaubt sind. So wird Richard nach langer Überlegung nach Dresden zurückgeschickt und lebt bei seinen ungeliebten Tanten und dem eigenbrötlerischen Onkel Adolf, der zum verbitterten Menschenfeind geworden ist, da niemand sich für seine eigenwilligen wissenschaftlichen Abhandlungen interessieren will. Überall schlägt Richard die Herrschaft des Geldes entgegen, und er erlebt die vielen verheerenden Auswirkungen, die sie mit sich
bringt, am eigenen Leib. Eines Nachts träumt er wie so oft von der “Hauptdarstellerin” des Goethe-Gedichtes “Die wandelnde Glocke”, ein metallenes Ungetüm, das ihn regelmäßig durch ein Weizenfeld jagt, in der Absicht, ihn zu verschlingen. Am nächsten Morgen sieht er diese Glocke für kurze Zeit in seinem Zimmer umherspringen. Da er schon immer von allen Seiten die Befürchtung zu hören bekam, dass er zwischen Realität und Fantasie nicht unterscheiden könne, schreibt er den Vorfall diesem “Makel” zu, der ihn auch im wachen Zustand immer wieder in kompromittierende Situationen brachte. In den nächsten Tagen und Wochen intensivieren sich allerdings seine Träume in für ihn erschreckendem Maße. Er ist sich bewusst, in einem Traum zu sein. Er fühlt Schmerz, wird verletzt und hat Angst. Er findet sich in vorzeitlichen Dörfern mit archaischen Ritualen und einer gewaltsam aufrechterhaltenen Hierarchieordnung wieder. Er trifft in einer barocken Prunkstadt einem König, der sich von seinem endlos feiernden Volk abgewandt hat und allein in seinem üppigen exotischen Garten lebt. In einer Großstadt voller Holzhäuser erlebt er, wie die Menschen sich freiwillig von tyrannischen Herrscherinnen, die in einem “Erlösungsberg” wohnen, knechten lassen. In einer rechtwinklig angelegten Vorstadtsiedlung begegnet er rätselhaften Dingen wie einen Fernseher und eine Ehe zwischen einer weißen Frau und einem schwarzen Mann und wilden, verwahrlosten Kindern, die tun und lassen, was sie wollen. Im Zentrum all dieser Geschehnisse scheint ein Berg zu stehen, den alle fürchten, dessen Faszination aber doch niemandem unberührt lässt, der alles Leben in der Umgebung in sich hineinzieht und zu dem jeder eine feindselige Verbindung zu haben scheint.
Richard weiß, dass ihm all diese Dinge etwas sagen wollen, nur weiß er nicht, was es sein
könnte. Wochenlang stolpert er in diesen Welten umher, bis er eines Tages ihr Geheimnis und damit auch sein Talent erkennt. Die Musik ist die Schöpferin dieser Traumwelten. Er erkennt sie in allenDingen wieder, denen er vormals so verständnislos gegenüberstand. Die Musik präsentiert sich ihm als die wahre Herrscherin der Welt, als das Sein hinter allem Schein. Und sie erwartet von ihm, dass er dieses neue Wissen in die Welt trägt. Sie hat die Missstände der nahenden Moderne im 19. Jahrhundert erkannt und bürdet Richard nun deren Lösung auf. Er soll mit ihrer Hilfe die aufkommende Leere des absterbenden Christentums füllen, die in Auflösung befindlichen gesellschaftlichen Bindungen
wieder verknüpfen und die Kunst als zentrales Mittel zur Erneuerung der Kultur inthronisieren. Trotz des Unglaubens, der ihm überall entgegenschlägt, ist Richard fest entschlossen, diese Aufgabe zum Erfolg zu führen. Aufgebaut auf der Biografie Richard Wagners und dessen Jugend in Dresden durchlebt der Leser den ganzen Weg vom unschuldigen Entdecker zum erwachenden Genie, für das er sich selbst hielt. In seinen Träumen durchlebt er die ganze Weltgeschichte von der Steinzeit bis zur Zukunft des 21. Jahrhunderts, mit all ihren Fehlentwicklungen, die ihm im Alltag niemals aufgefallen wären. Die Steinzeitkultur zeigt ihm eine Gesellschaftsform, die auf gewalttätiger Unterdrückung basiert. In der barocken Stadt erfährt er, was passiert, wenn diese Strukturen aufgebrochen und durch eine große “Feier der Freiheit” ersetzt werden, die sehr bald in grotesken Ausschweifungen ausufert. Aber da jede Feier einmal enden muss, erlebt er, wie die geplante Rückkehr zu Ordnung und festen Regeln und Werten zu einer erstarrten Leere verkommt, die niemanden auf Dauer befriedigt. In der “rechtwinkligen” Siedlung erlebt er mit, wie die gegenwärtigen Auflösungserscheinungen der gesellschaftlichen Beziehungen ihren Höhepunkt erreichen. Mithilfe seines kundigen und aufgeschlossenen Musiklehrers, der der einzige ist, mit dem er über seine Träume sprechen kann, taucht Richard immer tiefer in die Materie ein. Er erfährt alles über die Musikgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, über religiöse Extreme und deutsche Geschichte. Ein Großteil der Ideengeschichte des 19. Jahrhunderts breitet sich vor ihm aus. Von Schopenhauer, der die Musik als Sprache des Weltwillens begriff und Nietzsche, seinem späteren Weggefährten, mit dessen Vorstellung vom Übermensch sich Richard zusehends identifiziert. Er begegnet ebenso einem Ebenbild seines “Intimfeindes” Eduard Hanslick, den berüchtigten Musikkritiker, der alle metaphysischen Aspekte der Musik entschieden leugnete. Zusammen mit viel Zeit- und Lokalkolorit wird dem Leser verständlich, wie aus dem kleinen Jungen mit zuviel Fantasie, der selbsternannte Welterlöser und Retter der Kultur des Abendlandes werden konnte.