Sengende Sonne, Baustellenlärm, hitzeflimmernde Straßen, anbiedernde, um Geld bettelnde Einheimische, verbrannte Hautfetzen, fremdartiges Essen, langweilige Tempelruinen, die nur noch aus vereinzelt liegengebliebenen Steinen bestehen, Einheitsbettenburgen, aufgezwungener Spaß notorisch gutgelaunter Reiseleiter und Animateure und viele Furchtbarkeiten mehr sind Gegenstand dieser Geschichte. Warum tun sich die meisten Menschen diese infernalische Tortur jedes Jahr - und manchmal sogar noch öfter – an? Die Antwort fällt nicht leicht, und es brauchte eine lange Zeit des Auseinandernehmens und Analysierens, um zu einem Ergebnis zu kommen. Aber schließlich entdeckte ich sie in einer Beckett'schen Negierung und Verdrängung des Offensichtlichen und in einem verbissenen Willen, eine unangenehme und unannehmbare Realität zu leugnen. Den Alltag und die eigene Persönlichkeit verleugnende unbekannte Welten, in denen sich eingebürgert hat, zwanghaft Spaß haben zu müssen, werden ohne Sinnnachfrage eifrig besucht. Panische Angst vor Regen herrscht vor, bis alle „Sehenswürdighkeiten“ im unverzichtbaren Sonnenschein abgeklappert wurden. Diese unerschütterliche Entschlossenheit, Vergnügen zu finden an unsinnigen Besichtigungstouren in Gegenden, die bisher niemanden wirklich interessierten, an stundenlangen schweißtreibenden und quälend langweiligen Strandaufenthalten, an der eingeredeten Freude an exotischem Essen, das jedem mitteleuropäischem Geschmack zuwider läuft, an peinlichen Vergnügungen und demütigenden Spielen, die die Menschenwürde ab absurdum führen - also die Simulation des Lebens nach einer unbekannten Katastrophe zeigt diese Groteske der deutschen Urlaubsselbstverständlichkeiten. Ein namenloser "Er" ist der zweifelnde, aber die


Tatsachen noch nicht ganz erkennende Protagonist dieser Geschichte, der sich auf eine Reise nach "Absurdistan" begibt, dabei Menschen begegnet, die sich fest vorgenommen haben, sich die Illusion eines unbeschwert heiteren Urlaubs zu erhalten und sich nicht in ihrem Vorhaben beirren zu lassen. Aber auch er ist nicht gefeit dagegen, sich etwas vorzumachen. Erlösung aus seiner selbstauferlegten Scheinwelt bringen ihm nur zwei Objekte, die das wahre Leben in einer leeren und toten Dimension der erlogenen Ablenkungen durchscheinen lassen: Ein Kühle spendender Ventilator in einem Supermarkt, den er immer wieder unter falschem Vorwand aufsucht und ihn zu einer zwanghaften Fetischverehrung treibt und ein ihm unbekanntes, einheimisches kleines Tier, das in ihm einen archaischen Jagdinstinkt und ungeahnt große Emotionen weckt. Den einzigen gleichgesinnten Menschen findet er in einem ebenso unbenannten "sechs- oder siebenjährigen Mädchen". Kuriose Begebenheiten, wie ein Apfel, der eine Treppe herunterrollt oder das gleichzeitige Streicheln williger Kaninchen schweißen sie auf einer ihnen bisher noch unbekannten Ebene zusammen. Sie sehen Dinge, die wirklich sehenswert und die andere nicht zu sehen im Stande sind. Brennende Sinnlosigkeit, verzweifelte und selbstzerstörerische Schattenspiele sind die Hauptthemen dieser Geschichte, der Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten Pauschaltourismus in den verschiedensten Ländern und Kontinenten zugrundeliegt. Namenlose Orte und Menschen, eine auf das Allernotwendigste beschränkte Sprache ohne Dialoge sollen die Entfremdung einer leblos gewordenen Welt erlebbar machen. Jeder, der einmal in einer Gruppe bierbauchtragender, liegestuhlreservierender und adilettenbewehrter Deutscher zwei (oder mehr!) Wochen verbracht hat, wird sich in vielen Situationen unfreiwillig wiederfinden. Wer allerdings demnächst einen Urlaub an einem sonnigen, palmenbestandenen Sandstrand plant, wird schwer an ihr schlucken müssen, denn an diesem Urlaubsort ist wirklich alles inklusive.